Kernkraftwerk Tricastin.html

 
ca de en es fr it nl no pl pt ru ro fi sv tr vo


 

f1

Kernkraftwerk Tricastin
Kernkraftwerk Tricastin (Frankreich)
DEC
Kernkraftwerk Tricastin
Koordinaten 44° 19′ 47″ N, 4° 43′ 56″ O7Koordinaten: 44° 19′ 47″ N, 4° 43′ 56″ O
Land: Frankreich Frankreich
Daten
Eigentümer: Electricité de France
Betreiber: Electricité de France
Projektbeginn: 1974
Kommerzieller Betrieb: 1. Dez. 1980

Aktive Reaktoren (Brutto):

4  (3.820 MW)
Eingespeiste Energie im
Jahre 2006:
25.105 GWh
Eingespeiste Energie seit
Inbetriebnahme:
608.986 GWh
Stand: 27. Juli 2007

Das Kernkraftwerk Tricastin befindet sich in der Nähe von Pierrelatte im Département Drôme am Rhôneufer zwischen Valence (70 km flussaufwärts) und Avignon (65 km flussabwärts). Der Standort Tricastin besteht aus mehreren Anlagen, darunter ein Kernkraftwerk mit vier Blöcken und einer Urananreicherungsanlage (Eurodif).

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Geschichte

Das 1980/81 in Betrieb genommene Kernkraftwerk Tricastin umfasst vier Druckwasserreaktoren mit je 915 Megawatt, die ca. 25 TWh pro Jahr liefern. Die Urananreicherungsanlage benötigt allerdings ca. 17 TWh im Jahr; damit verbraucht sie 2/3 der Produktion des Kernkraftwerks Tricastin, was bedeutet, dass drei der vier Reaktoren fast ausschließlich für die Versorgung von Eurodif produzieren. Allerdings soll Anfang 2009[1] eine neue Anlage in Betrieb gehen, die statt 3 GW nur noch 50 MW benötigen wird. Die Reaktoren werden direkt durch das Flusswasser der Rhône über den Donzère-Mondragon-Kanal gekühlt.

Einem Bericht der Behörde für nukleare Sicherheit (Autorité de sûreté nucléaire (ASN)) vom Oktober 2002 zufolge könnten bestimmte Vorsorgemaßnahmen zur Reaktorkühlung bei einem Erdbeben nicht mehr sichergestellt werden.[2]

Ursprünglich sollte in Tricastin der erste französische EPR gebaut werden. Jedoch wurde der Standort Flamanville am Ärmelkanal für den ersten EPR in Frankreich ausgewählt. Als Grund wurde angegeben, das es problematisch sei, den Reaktor in Tricastin zu kühlen, da bereits 14 Kernkraftwerke an der Rhône stehen. Zudem sei der französische Strommarkt mehr auf den Norden Frankreichs ausgerichtet.[3]

Bearbeiten Störungen

Am 1. September 1980 musste ein Reaktorblock heruntergefahren werden, nachdem ein Rohr mit radioaktivem Abwasser geborsten war. Nach offiziellen Angaben konnte das ausgelaufene Abwasser aufgefangen werden.[4]

Vom 12. bis zum 22. Juli 2003 überschritt die Wassertemperatur des Kanals Donzère-Mondragon durch Kühlwassereinleitung des Kernkraftwerks Tricastin wiederholt die erlaubte Grenze von 27 °C. Insgesamt dauerte die Überschreitung über 44 Stunden, wobei die Temperatur bis zu 28,8 °C erreichte. Die Behörde für nukleare Sicherheit veröffentlichte diesen Zwischenfall am 1. August 2003 auf ihrer Internetseite. [5]

Eine am 2. Juli 2004 durchgeführte Inspektion der französischen Behörde für nukleare Sicherheit zum Thema Brandgefahr förderte mangelnde Erfahrung der Angestellten zutage. So habe man 37 Minuten gebraucht, um effektiv gegen einen eventuellen Brand vorzugehen. Während dieses Zeitraums nähme das ausgebrochene Feuer schon ein zu großes Ausmaß an.[6]

In der Urananreicherungsanlage Eurodif, die sich auf dem gleichen Gelände wie das Kernkraftwerk befindet, kam es 2008 zu einem Störfall, der am 8. Juli bekannt wurde. Dabei trat radioaktive Flüssigkeit in die Umgebung aus.[7][8] Die im Zuge des Zwischenfalles stattfindenden Wasseranalysen am Kraftwerk ergaben eine 100fache Überschreitung des genehmigten jährlichen Belastungsgrenzwertes. Laut IRSN-Direktor Jean-Christophe Gariel ist die erhöhte Strahlenbelastung vermutlich auf einen früheren Störfall zurückzuführen. Die Wissenschaftlerkommission CRIIAD vermutet hingegen, dass die Verseuchung von einer nicht abgedeckten militärischen Uranmüllhalde stammt. [9] 10 Tage nach dem Unfall wurde eine sofortige Grundwasserüberprüfung in der Umgebung aller französischen Atomkraftwerke angeordnet. Der französische Zweig von Greenpeace fordert inzwischen die generelle Ausweitung der Grundwasseranalysen auf die Kraftwerksgelände, anstatt wie bisher nur Messungen bei den Kernkraftwerken selbst vorzunehmen.[10]

Zwei Wochen später wurden am 23. Juli rund 100 Menschen durch radioaktive Partikel „leicht kontaminiert“.[11] Die Partikel waren aus der Abzugsleitung eines abgeschalteten Reaktors ausgetreten. Der Zwischenfall wurde auf Stufe 0 auf der siebenstufigen INES-Skala eingeordnet. Da sich im Juli 2008 jedoch weitere Störfälle ereigneten und diese zu Ermittlungen am Kraftwerksgelände führten, fand dieser neuerliche Unfall ein überdurchschnittliches Medienecho.

Um herauszufinden, ob sich der Betreiber an die geltenden Sicherheitsbestimmungen gehalten hat, durchsuchten Polizeikräfte das Büro des Direktors.[12]

Bearbeiten Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Tricastin hat insgesamt vier Blöcke:

Reaktorblock[13] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Tricastin-1 Druckwasserreaktor 915 MW 955 MW 01.11.1974 31.05.1980 01.12.1980
Tricastin-2 Druckwasserreaktor 915 MW 955 MW 01.12.1974 07.08.1980 01.12.1980
Tricastin-3 Druckwasserreaktor 915 MW 955 MW 01.04.1975 10.02.1981 11.05.1981
Tricastin-4 Druckwasserreaktor 915 MW 955 MW 01.05.1975 12.06.1981 01.11.1981

Bearbeiten Quellen

  1. Rapport environnemental, social, sociétal, de sûreté nucléaire et de radioprotection 2006 Tricastin. Areva, S.9. Stand 10. Juli 2008 [1] (französisch)
  2. Erreur de conception affectant la résistance au séisme de réservoirs d'eau de plusieurs réacteurs de 900 MWe. ASN, Stand 10. Juli 2007 [2] (französisch)
  3. HINTERGRUND: Tricastin - größte Kernkraftanlage der Welt
  4. Leak at reactor. The Times 2. September 1980 S. 6 [3] (englisch)
  5. Dépassement de la température autorisée de rejet dans le canal de Donzère-Mondragon. ASN, Stand 10. Juli 2007 [4] (französisch)
  6. Contrôle des installations nucléaires de base EDF – CNPE du Tricastin (INB n° 87/88) Inspection n° INS-2004-EDFTRI-0023 Lutte contre l'incendie. ASN, Stand 10. Juli 2007 [5] (französisch)
  7. Streit nach dem Atomleck von Tricastin, tagesschau.de, 11. Juli 2008
  8. Süddeutsche Zeitung: Uranunfall in Frankreich – Forscher warnen vor Strahlenbelastung abgerufen am 9. Juli 2008
  9. Störfälle in der Vergangenheit verheimlicht?, faz.net, 16. Juli 2008
  10. Tricastin: „Nicht irgendein Zwischenfall“, heise.de, 17. Juli 2008
  11. Kurier: Erneuter Atom-Zwischenfall in Frankreich vom 23. Juli 2008 (aufgerufen am 24. Juli 2008).
  12. Polizei durchsucht Büros in Atomanlage Tricastin (spiegel.de)
  13. Power Reactor Information System der IAEO: „France (French Republic): Nuclear Power Reactors“ (englisch)

Bearbeiten Siehe auch

Bearbeiten Weblinks

All Right Reserved © 2007, Designed by Stylish Blog.