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Das Kernkraftwerk Tricastin befindet sich in der Nähe von Pierrelatte im Département Drôme am Rhôneufer zwischen Valence (70 km flussaufwärts) und Avignon (65 km flussabwärts). Der Standort Tricastin besteht aus mehreren Anlagen, darunter ein Kernkraftwerk mit vier Blöcken und einer Urananreicherungsanlage (Eurodif).
Bearbeiten GeschichteDas 1980/81 in Betrieb genommene Kernkraftwerk Tricastin umfasst vier Druckwasserreaktoren mit je 915 Megawatt, die ca. 25 TWh pro Jahr liefern. Die Urananreicherungsanlage benötigt allerdings ca. 17 TWh im Jahr; damit verbraucht sie 2/3 der Produktion des Kernkraftwerks Tricastin, was bedeutet, dass drei der vier Reaktoren fast ausschließlich für die Versorgung von Eurodif produzieren. Allerdings soll Anfang 2009[1] eine neue Anlage in Betrieb gehen, die statt 3 GW nur noch 50 MW benötigen wird. Die Reaktoren werden direkt durch das Flusswasser der Rhône über den Donzère-Mondragon-Kanal gekühlt. Einem Bericht der Behörde für nukleare Sicherheit (Autorité de sûreté nucléaire (ASN)) vom Oktober 2002 zufolge könnten bestimmte Vorsorgemaßnahmen zur Reaktorkühlung bei einem Erdbeben nicht mehr sichergestellt werden.[2] Ursprünglich sollte in Tricastin der erste französische EPR gebaut werden. Jedoch wurde der Standort Flamanville am Ärmelkanal für den ersten EPR in Frankreich ausgewählt. Als Grund wurde angegeben, das es problematisch sei, den Reaktor in Tricastin zu kühlen, da bereits 14 Kernkraftwerke an der Rhône stehen. Zudem sei der französische Strommarkt mehr auf den Norden Frankreichs ausgerichtet.[3] Bearbeiten StörungenAm 1. September 1980 musste ein Reaktorblock heruntergefahren werden, nachdem ein Rohr mit radioaktivem Abwasser geborsten war. Nach offiziellen Angaben konnte das ausgelaufene Abwasser aufgefangen werden.[4] Vom 12. bis zum 22. Juli 2003 überschritt die Wassertemperatur des Kanals Donzère-Mondragon durch Kühlwassereinleitung des Kernkraftwerks Tricastin wiederholt die erlaubte Grenze von 27 °C. Insgesamt dauerte die Überschreitung über 44 Stunden, wobei die Temperatur bis zu 28,8 °C erreichte. Die Behörde für nukleare Sicherheit veröffentlichte diesen Zwischenfall am 1. August 2003 auf ihrer Internetseite. [5] Eine am 2. Juli 2004 durchgeführte Inspektion der französischen Behörde für nukleare Sicherheit zum Thema Brandgefahr förderte mangelnde Erfahrung der Angestellten zutage. So habe man 37 Minuten gebraucht, um effektiv gegen einen eventuellen Brand vorzugehen. Während dieses Zeitraums nähme das ausgebrochene Feuer schon ein zu großes Ausmaß an.[6] In der Urananreicherungsanlage Eurodif, die sich auf dem gleichen Gelände wie das Kernkraftwerk befindet, kam es 2008 zu einem Störfall, der am 8. Juli bekannt wurde. Dabei trat radioaktive Flüssigkeit in die Umgebung aus.[7][8] Die im Zuge des Zwischenfalles stattfindenden Wasseranalysen am Kraftwerk ergaben eine 100fache Überschreitung des genehmigten jährlichen Belastungsgrenzwertes. Laut IRSN-Direktor Jean-Christophe Gariel ist die erhöhte Strahlenbelastung vermutlich auf einen früheren Störfall zurückzuführen. Die Wissenschaftlerkommission CRIIAD vermutet hingegen, dass die Verseuchung von einer nicht abgedeckten militärischen Uranmüllhalde stammt. [9] 10 Tage nach dem Unfall wurde eine sofortige Grundwasserüberprüfung in der Umgebung aller französischen Atomkraftwerke angeordnet. Der französische Zweig von Greenpeace fordert inzwischen die generelle Ausweitung der Grundwasseranalysen auf die Kraftwerksgelände, anstatt wie bisher nur Messungen bei den Kernkraftwerken selbst vorzunehmen.[10] Zwei Wochen später wurden am 23. Juli rund 100 Menschen durch radioaktive Partikel „leicht kontaminiert“.[11] Die Partikel waren aus der Abzugsleitung eines abgeschalteten Reaktors ausgetreten. Der Zwischenfall wurde auf Stufe 0 auf der siebenstufigen INES-Skala eingeordnet. Da sich im Juli 2008 jedoch weitere Störfälle ereigneten und diese zu Ermittlungen am Kraftwerksgelände führten, fand dieser neuerliche Unfall ein überdurchschnittliches Medienecho. Um herauszufinden, ob sich der Betreiber an die geltenden Sicherheitsbestimmungen gehalten hat, durchsuchten Polizeikräfte das Büro des Direktors.[12] Bearbeiten Daten der ReaktorblöckeDas Kernkraftwerk Tricastin hat insgesamt vier Blöcke:
Bearbeiten Quellen
Bearbeiten Siehe auchBearbeiten Weblinks
Kernkraftwerke in Frankreich
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